Ein Toast auf die Kundin Queen

Von Britta Schmeis

Hochheim. Ihr britisches Mineralwasser hat die Queen bei Auslandsreisen stets im Gepäck, beim Wein vertraut sie auf Rheingauer Riesling – zumindest bei ihren Deutschlandbesuchen. Wein vom «Königin Victoriaberg» des Hochheimer Weingutes Hupfeld muss es bei allen offiziellen Anlässen sein. Und so lässt Königin Elizabeth II. auch am kommenden Mittwoch bei dem Empfang des Königshauses in Berlin eine Rheingauer Spätlese servieren. Seit mehr als 150 Jahren ist das
Königshaus eng mit dem Rheingauer Weingut Hupfeld und dessen Königin Victoriaberg verbändelt – dank der trinkfreudigen Königin Victoria.

«1845 war Victoria mit ihrem deutschen Ehemann Prinz Albert bei einer Weinprobe in Hochheim», erzählt Winzerin Hiltrud Hupfeld. Begeistert von dem «hock» – wie die Engländer den Hochheimer Wein nannten – gewährte die Königin dem Weingut fünf Jahre später die Erlaubnis, das Gut künftig «Königin Victoria» zu nennen – als Zeichen besonderer Gunst und mit einer königlichen Urkunde bestätigt. Seitdem ziert das Wappen des englischen Königshauses die bunten und mit reichlich Weinreben und -blättern verzierten Etikette des Weingutes. «Unseres Wissens darf das Wappen weltweit nur auf einem anderen Lebensmittel abgebildet werden», erzählt Hiltrud Hupfeld.

Zum 35. Geburtstag der Königin im Jahr 1854 ließ der damalige Besitzer des Weinberges zudem ein Victoriadenkmal im neogotischen Stil inmitten der Reben errichten. Bis heute thront das Denkmal zwischen den Reben und auf den Etiketten. «Good Hock keeps off the doc» (Guter Hochheimer Wein hält den Arzt fern) soll die Königin damals gesagt haben, ein Motto, das sich offensichtlich auch Queen Elizabeth II. zu Herzen nimmt.

Stets darauf bedacht, niemals mit einem Glas Alkohol abgelichtet zu werden, nippte die Königin 1992 vor ihrer Thronrede doch mal in der Öffentlichkeit an einem Weinglas. Am nächsten Tag druckte die «Daily Mail» das Bild Ihrer weintrinkenden Majestät. In der Bildunterschrift hieß es, sie nehme einen Schluck eines 1988er Hochheimer Königin Victoriaberg.

Zu den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. orderte der damalige Botschafter 480 Flaschen des Victoriaberg-Rieslings – neun davon blieben übrig. Einzig Lady Diana schien den Rheingauer Tropfen zu verschmähen. Als sie 1985 nach Deutschland kam, servierte man ihr zwar den Riesling. «Aber die hat immer nur Wasser getrunken», erinnert sich Henning Hupfeld. Dem Verhältnis zum Weingut tat das keinen Abbruch. Stattdessen herrscht ein reger Briefwechsel zwischen London, Berlin und dem hessischen Hochheim. Schließlich muss das Protokoll genau auswählen, welcher Riesling zu welchem Anlass gereicht werden soll. Im Mai diesen Jahres fragte der Butler des Botschafters etwa bei Hupfelds an: «Welchen Wein kann ich im Juni 2004 Ihrer Majestät Königin Elizabeth zum Dinner mit Bundeskanzler und Außenminister servieren - natürlich einen «Hock», aber welchen?».

Für den Empfang am 3. November in Berlin hat das Protokoll einen 2003er Hochheimer Königin Victoriaberg Riesling Spätlese trocken ausgewählt. Mit der Wein-Bestellung flattert auch gleich die goldumrahmte Einladung für das Ehepaar Hupfeld ins Haus – mit dem dezenten Hinweis: Dress: Black Tie. «Das bedeutet Smoking und langes Kleid, ich hab mich da schlau gemacht», sagt Hiltrud Hupfeld. Die Garderobe für den festlichen Anlass ist geklärt – nicht so der übrige Verhaltenscodex, denn die sechsseitige Anweisung aus dem Buckingham Palast haben die Hupfelds nicht bekommen. Doch die Winzerin bleibt gelassen: «Wenn wir überraschend der Queen die Hand schütteln dürfen, werd ich mir den Knicks schnell noch bei den anderen abgucken.»

Quelle: Frankfurter Neue Presse